Раїса Погорелова
Briefe und Tagebuch einer jungen Ukrainerin, die aus Kyjiw zur Zwangsarbeit ins nationalsozialistische Deutschland verschleppt wurde. 180 Seiten, von der Familie bewahrt. Erstmals transkribiert.
Die Geschichte
Am 14. April 1942 bestieg die achtzehnjährige Raisa Pogorelova einen Zug in Kyjiw. Sie wusste nicht, wohin die Reise ging. Acht Tage später, nach einem Halt in Krakau und 21 Nächten in einem Pferdestall in Ansbach, wurde sie einem Bauernhof in der fränkischen Provinz zugeteilt — Schönaich, 46 Kilometer südlich von Würzburg.
Sie hatte ein ukrainisches Schulheft für 10 Kopeken mitgebracht. Auf den Umschlag schrieb sie: «Дневник Deutschland» — Tagebuch Deutschland. Sie füllte es bis zur letzten Seite und schrieb sogar um die Einmaleins-Tabelle auf der Rückseite herum.
In den folgenden zwei Jahren schrieb sie nach Hause — an ihre Schwester Anna, ihre Großmutter und die Kinder Grischunok und Motik. Sie beschrieb das Farmleben ab 4:55 Uhr morgens, die Kühe, die Kleefelder, den freundlichen serbischen Arbeiter mit den großen braunen Augen, der ihr einziger Freund wurde. Sie schickte Seidenstrümpfe aus Würzburg und Socken aus Holland nach Hause. Sonntags nähte sie Kleider für deutsche Frauen, um Zucker zu verdienen.
Sie hörte nie auf zu hoffen, nach Hause zu kommen.
Das Archiv
Diese Briefe überlebten den Krieg, die Sowjetzeit, die ukrainische Unabhängigkeit und einen Familienumzug von Kyjiw nach Deutschland. Im Jahr 2026 digitalisierte Maksym Prokopov — Raisas Enkel — alle 180 Seiten und ließ die handschriftlichen russischen Texte mit Hilfe von KI transkribieren.