Über das Projekt
Raisa Grigorjewna Pogorelowa (Раїса Григорівна Погорелова)
Geboren um 1924 in Kiew, Ukraine. Im April 1942 im Alter von 18 Jahren als Ostarbeiterin (Zwangsarbeiterin) nach Deutschland verschleppt.
Sie arbeitete auf einem Bauernhof in Schönaich, einem Dorf in Franken, Bayern — 46 km südlich von Würzburg. Ihr Bauer hieß Walter; zur Familie gehörten die Söhne Ludwig, Eduard (~24, Soldat) und „Schön" (~21) sowie die Tochter Hedwig.
Ab September 1943 wurde sie zur Fabrikarbeit nach Hannover versetzt (Podbielskistraße 100).
Sie führte ein Tagebuch in zwei Heften — einem ukrainischen Schulheft („Зошит", 10 Kopeken, 12 Seiten), das sie aus Kiew mitgebracht hatte, und einem deutschen Kurzschrift-Heft, das sie in Deutschland erwarb. Auf den Umschlag des ersten schrieb sie: Дневник Deutschland.
Die Briefe
Raisa schrieb ständig nach Hause — an ihre Schwester Anna (geb. ~1920), ihre Großmutter und die Kinder Grischunok und Motik. Post zwischen Deutschland und der besetzten Ukraine lief über die Deutsche Dienstpost Ukraine. Nur Postkarten waren erlaubt; Briefe wurden mit dem Stempel „Zurück" zurückgeschickt. Alle ausgehende Post trug nationalsozialistische Zensurvermerke.
Obwohl sie als Zwangsarbeiterin nur 17 Mark im Monat verdiente (später ~70 Mark/Monat), schickte Raisa Pakete nach Hause: Seidenstrümpfe, Seife, Saccharin, Bleistifte, Samen, Wurst und Bargeld.
Erhaltung
Diese 180 Seiten — Briefe, Postkarten, Umschläge und Tagebuchhefte — überlebten den Krieg, die Sowjetzeit und die Emigration der Familie von Kiew nach Deutschland. Im Februar 2026 digitalisierte Maksym Prokopov (Raisas Enkel) das gesamte Archiv und transkribierte den handschriftlichen russischen Text mithilfe von KI.
Personen
Familie in Kiew
- Anna (Аня) — Schwester, Hauptkorrespondentin (geb. ~1920)
- Бабушка — Großmutter
- Гришунок / Мотик — Kinder in der Familie (Neffen oder jüngere Geschwister)
- Дядя Ваня — Onkel
Auf dem Bauernhof (Schönaich)
- Walter — Bauer, Gastgeber
- Ludwig — Junger Herr, Jäger
- Hedwig (Гетвіг) — Tochter, im Alter von Anna
- Eduard — Sohn, Soldat, kriegskritische Ansichten
- Schön — Jüngerer Sohn, Raisa zugetan
- Vladislav Kurbanbaiev — Serbischer Zwangsarbeiter, Raisas erster Freund („groß, dunkel, große braune Augen")
- Рая / Реля Ш. — Ukrainische Begleiterin aus Kiew, auf einem Nachbarhof untergebracht
Briefnetzwerk
Nata Lepkova, Tamara Kosub, Schura Bodrova (Magdeburg), Olja Burtschenko, Mascha Kodij — Ukrainerinnen, verstreut über Deutschland und Kiew.
Geografische Route
Kiew → Krakau (1,5 Tage Aufenthalt) → Ansbach (21 Nächte im Pferdestall) → Würzburg (Registrierung) → Schönaich (Bauernhof, Mai 1942 – Aug. 1943) → Hannover (Fabrik, ab Sept. 1943)
Kontakt
Dieses Archiv wird von der Familie Prokopov gepflegt. Für Anfragen, Forschungskooperationen oder falls Sie Namen oder Orte wiedererkennen: prokopov.me.