Briefe
Briefe von Raisa Pogorelova aus Deutschland an ihre Familie im besetzten Kiew, 1942–1944. Geschrieben auf Postkarten (Briefe wurden von der Zensur zurückgeschickt), mit Stempeln des Reichsadlers und „Ab"-Zensurvermerken.
Die Transkriptionen stammen vom handschriftlichen russischen Original. Mit [неразборчиво] gekennzeichnete Wörter waren auf den Scans nicht lesbar.
- Unknown (pre-war?) Unbekanntes Datum — Grünstift-Brief an Schwester — Briefragment in Grünstift an 'liebe Schwester' über Magenschwäche und ein Baby, das 'seinen kleinen Mund wie ein Vogeljunges öffnet.'
- ~1942 1942 — Futterrüben und Gartenanweisungen — Postkarte mit praktischen Gartentipps: Anbau von Futterrüben für Ziegen und Kaninchen. 'Großmutter wird euch lehren — bitte arbeitet alle zusammen im Garten.'
- ~February 1942 Ende Februar 1942 — Erstes Paket nach Hause — Raisa schickt ihr erstes Paket: Seidenstrümpfe für Anja, Socken für Motik, einen Spiegel für die Jungs. «Ich drücke fest eure fleißigen Pfötchen.»
- June 15, 1942 15. Juni 1942 — Erster ausführlicher Brief vom Bauernhof — Raisa beschreibt das Leben auf dem Bauernhof in lebendigen Details — Schlachtung eines 196kg schweren Schweins, Reiten auf den Pferden Pani und Ladi, und Eduard der verwundete Soldat. 'Ich hoffe, im Winter zu Hause zu sein.'
- September 6, 1942 6. September 1942 — Dreschen mit Serben — Brief an Schulfreundin Natasha. Raisa verdient 17 Mark im Monat, arbeitet an der Dreschmaschine neben dem serbischen Kriegsgefangenen Kordan. 'Schreib bald, schreib, schreib, schreib.'
- ~1942 Unbekanntes Datum — Ludwig jagt bei Morgendämmerung, Saatgut für zu Hause — Bauer Ludwig jagt um 5 Uhr morgens nach dem Kleemähen, tötet ein 57kg schweres Reh. Raisa schickt Saatgut für den Familiengarten nach Hause und fragt nach ihrer Ernte.
- September 30, 1942 30. September 1942 — Geschichten aus Bolotnik — Brief an Großmutter Anya, Galitsa und Grishka mit Erwähnung von Kindern aus Bolotnik und Pilzsammlern. Post-Verspätung von 19 Tagen dokumentiert.
- September 4, 1942 4. September 1942 — Alle fahren Fahrrad — Raisa lernt Fahrradfahren. «Hier fahren sogar Dreijährige Fahrrad, und die Alten und Behinderten — absolut alle.»
- February 14, 1943 14. Februar 1943 — Fotos nach sechs Monaten immer noch nicht fertig — Valentinstagsbrief: 'Ich vermisse euch schrecklich und das geliebte Kiew.' Sechs Monate Warten auf Fotos in Ebrach. Beschreibt Neujahrsfoto im grünen Kleid und Hut.
- ~1942 1942 — 'Ich werde euch Wunder erzählen' — Postkarte mit Geschichtsversprechen: 'Wenn ich nach Hause komme, werde ich euch Wunder erzählen, von denen ihr nicht nur nie gehört habt, sondern die ihr nie gelesen habt.'
- ~late 1942 1942 — 'Wilder Schrecken' in den Fabriken — Raisa zählt ihren Segen: 'Gott gab uns das Glück, nicht in einer Fabrik zu sein. Es ist Schrecken dort — wilder Schrecken.' Gastgeber bestätigt als Walter Schönreich.
- September 28, 1942 28. September 1942 — Ernte, Hoffnung und Philosophie — «Unsere Familie ist in zwei Hälften geteilt.» Raisa pflügt 5 Hektar, mäht für 17 Kühe und teilt ihre Philosophie der Hoffnung.
- October 18, 1942 18. Oktober 1942 — Rübenernte und Kurbans Tränen — Fließbandartige Rübenernte beschrieben wie Ethnographie. Serbischer Arbeiter Kurban weint über sein Familienfoto — 'ein Mann mit wirklich zerbrochenem Leben.'
- May 5, 1943 5. Mai 1943 — Lohnerhöhung auf 35 Mark — Lohn verdoppelt auf 35 Mark pro zwei Wochen. 'Wenn es euch schwerfällt, schicke ich auch dieses Geld — ich brauche nichts. Schreibt alles wahrheitsgemäß.'
- ~1943 Unbekanntes Datum — Wie lange muss ich noch schreiben? — 'Wie lange muss man noch schreiben? Wann kann ich endlich in die alte Heimat zurückkehren?' Unterschreibt als 'voller herzlicher Hoffnungen.'
- ~December 1942 Dezember 1942 — Weihnachtsbaum und frostige Nächte — Raisa fällt einen Weihnachtsbaum, schmückt ihn mit Nüssen und Keksen. 'Ohne Decken fror ich immer noch und konnte nicht schlafen.'
- ~winter 1942-43 Winter 1942–43 — Frühlingssonne, kein Schnee — Ein milder Winter: 'Überhaupt kein Schnee — er fiel und schmolz wieder.' Raisa sendet 'flammende Grüße' an Freunde und drückt ihre 'arbeitenden Hände.'
- September 1, 1943 1. September 1943 — Aus der Hannoverschen Fabrik — Erster Brief aus Hannover. Raisa wurde zur Fabrikarbeit in die Podbielskistraße 100 verlegt, arbeitet in Schichten. 'Ich war in der zweiten Schicht und wusste nicht, dass ich schreiben musste.'
- December 24, 1942 24. Dezember 1942 — Heiligabend — Weihnachten in Deutschland. Raisa schickt 50 Mark und zwei Pakete nach Hause. Erklärt dem kleinen Grischa das Pflügen.
- December 24, 1942 24. Dezember 1942 — Zurückgeschickte Briefe und 'Die gehorsame Maschine' — Briefe mit 'Zurück!'-Stempel zurückgeschickt — nur noch Postkarten in die Ukraine erlaubt. 'Ihre Macht über uns — wir sind eine gehorsame Maschine.'
- ~February 1943 Februar 1943 — Nach Stalingrad — «Die Herren werden nervös — bald zeigen wir es ihnen!» Die Kriegswende. Verwundete Soldaten kehren ohne Arme und Beine zurück.
- January 4, 1943 4. Januar 1943 — Neujahr am heißen Ofen — Weihnachten Schlittenfahren und Nähen rettet sie vor Waldarbeit. 'Tausende, Tausende von allen denken als einer' — Sehnsucht nach Kiews blauem Dnepr.
- January 4, 1943 4. Januar 1943 — Tränen auf Natas Brief — An Schulfreundin Nata: 'Mein Herz krampfte sich zusammen und Tränen fielen auf deinen Brief.' Raisa träumt davon, Neujahr 1944 im Sieg zu feiern.
- January 24, 1943 24. Januar 1943 — Fuchspelze für Soldaten — Der Gastgeber jagt 12 Füchse und unzählige Hasen. Fuchspelze gehen an Soldaten für Wintermäntel. Raisa übersetzt Familienbriefe für ihre deutschen Freundinnen Getwikh und Mada.
- ~July 10, 1943 Juli 1943 — Eduard zieht in den Krieg — Eduard wird über Frankfurt an die Front geschickt. Nur 4 Tage zu Hause. Schön sitzt neben Raisa beim Schreiben und nennt sie «mein Birnchen, meine Pflaume, mein Äpfelchen».
- ~August 10, 1943 10. August 1943 — 500 Bomber — Luftangriff aus 100 km Entfernung sichtbar. Über 500 Bomber, 13 abgeschossen. Der Krieg erreicht Franken.
- February 5, 1943 5. Februar 1943 — Ein Kleid in drei Abenden — Raisa näht sich in drei Abenden ein Kleid. 'Meine Gedanken und alles was ich habe wird immer unser gemeinsames sein.'
- ~1943 1943 — Nähen für Lohn, Streichhölzer und Saccharin schicken — Raisa verdient Streichhölzer und Saccharin durch Nähen von Röcken, Kleidern und Morgenmänteln für Deutsche. Sie lässt sich einen Zahn plombieren. Unterschreibt als 'Раеса.'
- April 13, 1943 13. April 1943 — Lieber kleiner Papa-Mann Grishunok — Brief an den jungen Grisha über Kaninchen und Deutschland. Er bittet sie, die Reise zu beschreiben — 'im Leben eines Menschen ist es unmöglich auf so [kleiner Karte] zu beschreiben...'
- May 5, 1943 5. Mai 1943 — Das Paket: Saccharin, Schere und 'Geld ist nichts' — Raisa packt ein 1kg-Paket für zu Hause und listet jeden Gegenstand auf. Sie verdient Waren durch Nähen für Deutsche. 'Benutzt alles vorsichtig — Geld ist jetzt nichts.'
- May 7, 1943 7. Mai 1943 — Doppelpostkarten und Sonntagsnähen — Raisa schickt Doppelpostkarten, damit ihre Familie Papier zum Zurückschreiben hat. Inhalt eines weiteren Pakets: Waschpulver, Garn, Bleistifte, Radiergummi.
- June 12, 1943 12. Juni 1943 — Das Kaninchenkäfig-Diagramm — Raisa zeichnet ein Kaninchenkäfig-Diagramm, um den Jungen zu helfen. Sie wandert durch Wälder, sammelt wilde Erdbeeren und lauscht dem Vogelgesang. 'Ich bin ein völlig anderer Mensch geworden.'
- June 13, 1943 13. Juni 1943 — Pfingstkirschen und ukrainische Bücher — Raisa und Raya pflücken Kirschen, lesen ukrainische Bücher und spielen mit einem blauäugigen Baby. Mädchen aus Silendorf besuchen sie. 'Ich habe Angst um die Fotos — sie können nicht geschickt werden.'
- ~1945-1946 Nachkriegszeit — Mutter und Sohn — Fragment unterzeichnet von 'Mutter und Sohn' mit Wegbeschreibung: '3. Stock, rechts vom Eingang.' Anderes Papier und Bleistift deuten auf Nachkriegszeit hin.
- June 21, 1943 21. Juni 1943 — Erste-Mai-Kleider und gute Schuhe — Am 1. Mai erhielten sie Kleider und gute Schuhe für 8 Mark. 'Wir leben und sind recht gesund, absolut in allem versorgt.'
- July 25, 1943 25. Juli 1943 — Schwimmbad und Blusen nähen — 10+ Postkarten in einer Woche. Raisa näht Blusen, färbt Kleider und plant in einem Wollbadeanzug zu schwimmen. Alle schreiben außer Tolik.
- ~1943 1943 — Weitere 50 Mark und Teebonbons — Raisa plant weitere 50 Mark nach Hause zu schicken. 'Macht euch keine Sorgen, Kinder — ich brauche nichts, ich sorge mich nur um euch.'
- August 25, 1943 25. August 1943 — Sonntagsnacht-Diebstahl — Jemand hat die Familie in Kiew an einem Sonntagabend beraubt — eine Katze und andere Sachen gestohlen. Raisa ist 'bis zu Tränen aufgebracht.'
- June 21, 1942 21. Juni 1942 — Traum von zu Hause und Fotos mit Hedwig — Erster Traum in Deutschland — ein Kosakenmädchen sagt 'lass uns nach Hause gehen.' Fotos mit Hedwig und Eduard. Unterschreibt ihren Namen auf Ukrainisch: Раїса.
- July 26, 1942 26. Juli 1942 — Erster Brief an Natasha, Kurbans vollständiger Name — Kurban enthüllt als Vladislav Kurbanbaiev — Serbe, verheiratet, zwei Kinder. Schönaich liegt '46 km südlich von Würzburg, in einem Wald.'
- July 26, 1942 26. Juli 1942 — Passfotos in Ebrach & Tagebuch enthüllt — Passfotos in Ebrach, Beeren im Wald, polnische Akkordeonspiele — und Raisa enthüllt, dass sie ein Tagebuch führt: 'eine schreckliche Aufzeichnung meiner Abenteuer.'
- September 6, 1942 6. September 1942 — Fünfzig Mark und eine Fuchsjagd — Raisa hat 50 Mark gespart, kann aber ohne Rationierungspunkte nichts kaufen. Ludwig tötet einen Fuchs mit 'einem riesigen buschigen Schwanz.'
- October 25, 1942 25. Oktober 1942 — Kleidungsrationen verweigert — Kleidungsrationskarten verweigert, gesagt sie solle Winterkleidung aus dem besetzten Kiew anfordern. 'Wo ist mein Vater, wo ist meine Mutter?'
- November 1, 1942 1. November 1942 — Jahre fliegen wie eine Kugel — Philosophischer Austausch zwischen zwei 18-Jährigen: 'Diese Jahre flogen vorbei wie eine Kugel nach einem Schuss. Die Zukunft wird heller sein.'
- November 30, 1942 30. November 1942 — Annas 22. Geburtstag — Geburtstagskarte bestätigt, dass Anna Raisas SCHWESTER ist, nicht ihre Mutter. 'Liebe Schwester Anna, ich gratuliere dir zu deinem 22. Geburtstag.'
- approximately December 1942 Dezember 1942 — Ded Moroz und Shura Bodrova in Magdeburg — Macht einen Ded Moroz für die deutschen Kinder, die ihr überallhin folgen. Shura Bodrova schreibt aus Magdeburg — Ostarbeiter-Netzwerke quer durch Deutschland.
- July 18, 1943 18. Juli 1943 — Tränen wie Hagel — Außerordentlich emotionaler Brief an Natasha: 'Du brauchst ein stählernes Herz... Tränen, jung, heiß, groß wie Hagel, ohne meinen Willen beginnen sie langsam.'
- approximately July 20, 1943 Juli 1943 — Schön, deutsche Sprachgewandtheit und Eduards Abreise — Leute halten Raisa für eine Deutsche. Schön nennt sie 'meine Birne, meine Pflaume, mein Apfel' und sitzt neben ihr, während sie schreibt.
- approximately 1942-1943 Undatiert — Lieder der Hoffnung: Russisches Siegeslied und deutsches Liebeslied — Eine Seite mit Liedern — russische Soldaten kehren siegreich zurück, und ein deutsches Liebeslied in phonetischer Schreibweise: 'Herze, du bleib bei mir.'
- May 11, 1942 11. Mai 1942 — Der früheste Brief: Reiseroute nach Deutschland — Raisas erster Brief aus Deutschland — 'Nachdem ich mein liebes Kyiv verlassen hatte... fuhren wir 8 Tage'
- August 16, 1942 16. August 1942 — 18 werden in Deutschland — Raisa vertraut sich ihrer Freundin Natasha an — 'Mit 18 schnürt die geringste Erinnerung an die Heimat meine Brust mit Schluchzen zusammen'
- September 2, 1942 2. September 1942 — Drei Briefe und Lebensmittelkarten — Drei Briefe in einer Woche — 'Hier kann man nicht einmal Nadeln ohne Karte kaufen, absolut alles ist rationiert'
- October 17, 1942 17. Oktober 1942 — Alles Gute zum 18. Geburtstag, Natasha! — Geburtstagsbrief an eine Freundin — 'Die Rüben hier wiegen 2,5-3 kg das Stück, wir graben 5 Wagenladungen pro Tag'